Bärbels ungebetener Ratschlag

Geht’s euch besser?
Mir schon.
Ich weiß nur noch nicht genau, woran es liegt.
Am Pferdejahr vielleicht?

Oder daran, dass ich offenbar nicht in die angekündigte kosmische Spalte gefallen bin?
Oder – ganz gewagt – am Frühling?
Das Ende des letzten Jahres war … sagen wir mal: zäh.
Und der Anfang nicht viel besser.

Ich finde ja sowieso, der 31. Dezember ist ein seltsames Datum für einen Neubeginn.
Am 1. Januar ändert sich exakt gar nichts. Es bleibt dunkel. Es bleibt kalt. Nur mit mehr Müll auf der Straße und Kater im Kopf.

Jetzt dagegen sprießt es wirklich. Licht. Luft. Bewegung.
Und dann kommt auch noch ein neues Jahrestier vorbei – das Feuerpferd.

Neue Energie. Neues Tempo. Neue Möglichkeiten. Alle rufen: „Hurra, hurra, das Feuerpferd! Schluss mit der Schlange, genug gehäutet und geschlängelt.“

Naja, ehrlich: Ich hätte vermutlich jedes neue Tier begeistert begrüßt. Den Hasen. Den Drachen. Das Schwein. Egal, was gekommen wäre, wir hätten wahrscheinlich gesagt: „Ah! Das fühlt sich besser an. Das bringt Schwung. Jetzt geht’s los.” Wir sehnen uns offenbar sehr nach Veränderung.

Wie ist euer Pferd so drauf? Feuriges Vollblut oder eher gemütlich? Ich wollte erst losrennen. Aber dann hab ich gemerkt, ich brauch noch bisschen. Also mein Pferd lässt sich noch Zeit. Schnuppert. Wälzt sich in der Wiese, trottet gemächlich einen Feldweg entlang, während andere daneben galoppieren.

Das gefällt mir ganz gut.

Viele Menschen wünschen ja zum Geburtstag: „Bleib, wie du bist.“
Der Wunsch hat mich schon als Kind unruhig gemacht. Natürlich ist es schön, wenn Menschen dich mögen, wie du gerade bist. Und gleichzeitig klingt dieser Satz wie Einfrieren. Bleib, wie du bist.
Verändere dich nicht zu sehr. Überrasch uns lieber nicht.

Aber manchmal will ich nicht bleiben, wie ich bin. Auch wenn ich mich meistens mag. Aber auch dahin entwickelt man sich ja oft erst.

Wachsen. Sich verändern.
Anders denken dürfen als noch vor fünf Jahren.

Wir feiern es, wenn ein neues Jahr beginnt.
Wir feiern es, wenn der Frühling kommt.
Vielleicht feiern wir gar nicht das Pferd.
Vielleicht feiern wir einfach die Möglichkeit, anders zu werden.

Neue Erkenntnisse, neue Vorlieben, neue Socken.
Ein Wochenende lang war es fast warm – und plötzlich sind alle draußen.
Und sehen ganz anders aus. Obwohl sie vielleicht – wie ich – die alten Klamotten anhaben, die man im Schrank wieder neu entdeckt hat. Es flirrt. Ein Neuanfang liegt in der Luft.

Und das Schönste: Die Menschen lächeln.
Lächeln!

Wenn dich jemand anlächelt, entspannt sich dein Nervensystem.
Das ist Biologie.
Wir können uns gegenseitig regulieren – ganz ohne komplizierten Hack – einfach, indem wir uns anlächeln und nicht die Augen verdrehen.

Und dann vielleicht noch ein Eis essen.
Spazieren gehen.
Selbst die Pollen können uns die Laune nicht komplett verderben. Obwohl sie sich redlich bemühen.

Und wenn doch was schiefläuft? Dann wird es auch wieder besser. Bestimmt. Die Planeten machen eh, was sie wollen, mach du das besser auch. Solang es dir und uns guttut.

Das Pferd galoppiert, die Schlange zischt, Merkur läuft rückwärts – irgendwas ist immer.
Vielleicht ist die eigentliche Kunst nicht, auf Zeichen zu warten.
Sondern auf Sonne zu reagieren.
Rausgehen.
Lächeln.
Und wenn das alles nichts hilft, dann essen wir halt noch ein Eis und wälzen uns in der Wiese.

Fröhliches Pferdejahr euch.
Fröhlichen Frühling.

Bleibt …, wie ihr wollt, am besten zuversichtlich 😉 ■

Infobox

Bärbel Stolz

… ist Schauspielerin und Autorin. Mit ihrer Figur die Prenzlschwäbin hat sie schwäbische, deutsche und großstädtische Eigenheiten aufs Korn genommen und mit ihren YouTubeVideos und Liveauftritten Menschen im ganzen Land begeistert.

www.baerbelstolz.com

Bärbel Stolz

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