Zwischen Fortuna, Filmset und Familienleben
Text: Silke Schuster
Fotos: © Pavol Putnoki
Nicht nur Rheinländer, Fußball-Fan und Papa: Wer auf Lars Papes Karriere blickt, sieht einen erfolgreichen Schauspieler, der seit Jahren als Michi Bode bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ) ein Millionenpublikum erreicht. Und man sieht einen Regisseur und Produzenten, der eigene Filme realisiert hat.
Der Weg dorthin verlief allerdings alles andere als geradlinig. Lars Papa hatte Jahre voller Erfolg, aber auch Zeiten, in denen plötzlich keine Rollenangebote mehr kamen. Es gab private Schicksalsschläge, finanzielle Krisen und Momente, in denen er ernsthaft darüber nachdachte, Berlin zu verlassen und nach Düsseldorf zurückzukehren. „Nach dem Tod unserer Eltern lief nichts mehr so richtig. Der Job lief nicht, ich hatte keine Beziehung, und die Leute gingen mir auf den Keks. Ich dachte, ich will nach Düsseldorf“, berichtet er von dieser Zeit. Es scheiterte letztlich an den finanziellen Mittel für den Umzug. Rückblickend erwies sich das wiederum als schicksalhaft, denn heute lebt er glücklich mit seiner Familie am grünen Berliner Stadtrand. Möglicherweise wirkt der GZSZ-Schauspieler gerade deshalb so bodenständig; er kennt beide Seiten des Berufs. Eine Rampensau hingegen sei er nie gewesen.
Aufgewachsen zwischen See, Fußballplatz und Theater-AG
Geboren wurde Lars Pape 1971 in Düsseldorf-Unterbach. Der Stadtteil am Unterbacher See war damals noch geprägt von einer fast dörflichen Atmosphäre. Hier verbrachte er eine Kindheit, die er heute als behütet und glücklich beschreibt. Seine Mutter arbeitete als Friseurmeisterin, sein Vater als Uhrmachermeister. Früh wurden zwei Leidenschaften sichtbar, die ihn bis heute begleiten: die Liebe zum Fußball und die Faszination für das Schauspiel.
Die Fußballbegeisterung kam vom Vater, der mit seinem kleinen Sohn bereits Spiele von Fortuna Düsseldorf besuchte. Sein erstes Stadionerlebnis hat sich tief eingeprägt: Es war ein Europapokalspiel gegen Aberdeen im Jahr 1978. „Das brennt sich ein“, erinnert sich Lars Pape.
Irgendwann spielte er selbst bei Fortuna. Der Traum von der Profikarriere war durchaus vorhanden. Doch während einige seiner Mannschaftskameraden über außergewöhnliches Talent verfügten, erkannte Lars Pape rechtzeitig die eigenen Grenzen: „Es war relativ schnell klar, dass es für einen Profi-Spieler nicht reicht.“ Spaß und Leidenschaft blieben dennoch. Und bis heute gehören Fortuna Düsseldorf und familiär bedingt inzwischen auch Hertha BSC zu seinem Leben wie die Schauspielerei. „Meine Frau konnte als Tänzerin damit anfangs gar nichts anfangen“, erzählt er, „schon gar nicht mit diesem fanatischen Fan-Ding. Aber jetzt ist sie diejenige, die sagt: Lass uns bitte zu Hertha ins Stadion gehen.“
Der Weg auf die Bühne begann zunächst eher unspektakulär. Schon als Schüler schrieb Lars Pape kleine Sketche und trat bei Schulfesten auf. Später kam die Theater-AG hinzu. Dort merkte er zum ersten Mal, wie viel Freude ihm das Spielen machte. Gleichzeitig sammelte er erste Erfahrungen beim Hörfunk in Köln. Was zunächst wie ein Hobby wirkte, entwickelte sich langsam zu einem konkreten Berufswunsch.
Ein prägendes Erlebnis in der Schulzeit
Zu den Geschichten, die Lars Pape bis heute mit erstaunlicher Genauigkeit erzählen kann, gehört seine Zeit auf dem ersten Gymnasium. Er beschreibt sich selbst nicht als Rebell. Er sei kein Schüler gewesen, der ständig aneckte oder provozierte. Trotzdem geriet er in einen hartnäckigen Konflikt mit einem Lehrer, der schließlich dazu führte, dass er die Schule wechselte.
Aus seiner Sicht war die Situation beispielhaft für ein Bildungssystem, das damals oft von Autoritäten geprägt war, die wenig Widerspruch duldeten. Schlechte Noten, fragwürdige Bewertungen und ein Verhältnis, das sich zunehmend verschlechterte, führten schließlich dazu, dass es für ihn keinen Sinn machte, auf der Schule zu bleiben. Er wechselte nach Mettmann, wo er neue Freunde fand, die ihn bis heute begleiten. Er wurde Schulsprecher, und mit der Zeit entwickelte sich das Gefühl, tatsächlich seinen eigenen Weg gehen zu können. Bis heute ist er mit seiner Heimat verbunden und pflegt seine Freundschaften aus der Schulzeit.
Der erste Schritt in die Schauspielwelt
Eine wichtige Erinnerung führt zurück in die Mitte der Achtzigerjahre. Damals hörte Lars Pape als Jugendlicher im Radio einen Aufruf der Lindenstraße, die junge Darsteller suchten. Ohne jemandem davon zu erzählen, bewarb er sich.
Diese Entscheidung hing auch mit seinem älteren Bruder Axel zusammen, der zu der Zeit bereits Schauspieler war und mit dem er ein sehr vertrauensvolles Verhältnis hat. Lars Pape wollte aber verhindern, dass jemand glaubt, er folge lediglich den Spuren des Bruders. Deshalb organisierte er seine Bewerbung allein. Auch wenn er die Rolle schlussendlich nicht bekam, wurde das Casting trotzdem zum Schlüsselerlebnis. Zum ersten Mal stand er in einem professionellen Auswahlverfahren. Und zum ersten Mal spürte er, dass diese Welt für ihn erreichbar sein könnte: „Seitdem ich 14 war, war eigentlich klar, dass ich das machen will.“
Seine Eltern standen seinem Wunsch offen gegenüber. Auch deshalb, weil sie miterlebt hatten, wie sich die Karriere ihres älteren Sohnes entwickelte. Axel Pape hatte bereits erste Erfolge gefeiert und gezeigt, dass dieser ungewöhnliche Berufsweg tatsächlich funktionieren konnte.
Freiburg statt Berlin
Ursprünglich zog es Lars Pape nach dem Abitur nach Berlin. Bei der Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste schaffte er es unter die letzten vierzig Bewerber. Doch dann war Schluss. Sein Weg führte ihn stattdessen erst einmal nach Freiburg – rückblickend erwies sich diese Entscheidung als Glücksfall. Denn die Freiburger Schauspielschule war eng mit einem Theater verbunden. So standen die Studenten von Beginn an auf der Bühne und lernten den Beruf nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch kennen. Während der Ausbildung sammelte Lars Pape bereits erste Erfahrungen vor der Kamera. Produktionen wie Sterne des Südens oder Gastrollen in Fernsehfilmen und Theaterengagements sorgten dafür, dass er schon früh Berufserfahrung sammeln konnte.
Nach der Ausbildung wechselte er ans Theater in Tübingen, gleichzeitig drehte er für Film und Fernsehen. Die Karriere schien vielversprechend anzulaufen. Doch dann kam der erste große Rückschlag.
Der Absturz nach dem Traumprojekt
1998 schien alles vorbereitet für den Durchbruch: Ein großer ZDF-Vierteiler mit Hauptrolle war bereits zugesagt; die Dreharbeiten standen unmittelbar bevor. Andere Angebote hatte Lars Pape bereits abgesagt, weil das neue Projekt langfristige Sicherheit versprach.

Dann erhielt er an seinem Geburtstag die Nachricht, dass die Produktion ersatzlos gestrichen worden war. Von einem Tag auf den anderen fiel ein halbes Jahr Arbeit weg.
„Ich war total naiv“, gibt er zu. Er habe geglaubt, dass die nächsten Angebote automatisch kommen würden. Doch die Realität sah anders aus. Das Jahr entwickelte sich zu einer Katastrophe: Unterm Strich blieb lediglich ein einziger Drehtag. Die finanziellen Probleme wurden immer größer. Erst spät begriff Lars Pape, wie ernst die Lage tatsächlich war. Am Ende musste er sich Hilfe bei seiner Familie holen.
Diese Erfahrung hat ihn geprägt – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich. Sie machte ihm klar, wie schnell sich vermeintliche Sicherheiten auflösen können.
Der Tod der Mutter verändert alles
Noch einschneidender als jede berufliche Krise war die Erkrankung seiner Mutter. Ende 1999 erhielt die Familie die Diagnose ALS. Monatelang hatten Ärzte nach Ursachen gesucht, doch niemand konnte erklären, warum sich ihr Zustand zunehmend verschlechterte. Schließlich kam die Gewissheit: „Ihre Mutter wird daran sterben.“ Weitere Informationen blieben aus.
Aus heutiger Sicht, mit den Möglichkeiten des Internets, scheint das unvorstellbar: Aber es gab praktisch keine Chance, sich selbst über die Erkrankung zu informieren. So stand die Familie weitgehend allein vor einer Krankheit, über die sie kaum etwas wusste. Im Mai 2000 starb seine Mutter. Der Verlust traf Lars Pape tief. Gleichzeitig entstand daraus eine Idee, die seinen weiteren Lebensweg verändern sollte: Er wollte einen Film über ALS machen und zwar nicht als Schauspieler, sondern als Filmemacher.
Der Weg hinter die Kamera
Mit einem Budget von 10.000 Mark begann Lars Pape zu recherchieren. Er kontaktierte Ärzte, suchte betroffene Familien und organisierte Drehs in ganz Deutschland. Gemeinsam mit Freunden entstand so sein erster Dokumentarfilm. Technisch war zwar vieles improvisiert, doch inhaltlich entstand etwas, das vielen Betroffenen erstmals Orientierung geben konnte. Vor allem entdeckte Lars Pape eine neue Leidenschaft: Er schrieb Konzepte, plante Drehs, führte Interviews und saß später im Schnitt. Der kreative Prozess faszinierte ihn. „Von der ersten Idee bis zum fertigen Film hat mir das extrem viel Spaß gemacht“, schaut er zurück. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich ein zweites berufliches Standbein.
Es folgten weitere Dokumentarfilme, darunter das Fußballprojekt Warum halb vier?, das gemeinsam mit seinem Bruder Axel entstand und schließlich auf der Berlinale gezeigt wurde. Später gründete Lars Pape mit seinem langjährigen Freund Holger Schürmann eine Produktionsfirma. Über fünfzehn Jahre produzierte das Unternehmen Filme und Formate unterschiedlichster Art. Erst die Veränderungen der Medienbranche und die Folgen der Coronazeit führten dazu, dass die Firma schließlich geschlossen wurde.
Berlin in den wilden Jahren
Als Lars Pape 1997 nach Berlin zog, war die Stadt noch geprägt von Aufbruch und Improvisation. Er lebte in Prenzlauer Berg, lange bevor dieser zum begehrten Familienviertel wurde: „Das war Punkrock. Das war Anarchie.“ Verlassene Gebäude, improvisierte Clubs und eine kreative Szene machten den Reiz der Stadt aus. Es war eine Zeit, die der Schauspieler intensiv genoss.
Zwanzig Jahre blieb er in Prenzlauer Berg. Dort erlebte er berufliche Erfolge und private Krisen, es entstanden Freundschaften, und er verbrachte dort einen großen Teil seines Erwachsenenlebens. Es war auch der Ort, an dem er meinte, dass das Thema Familie für ihn erledigt sei.
Das späte Familienglück
Nach einer langen Beziehung hatte sich Lars Pape mit dem Gedanken abgefunden, möglicherweise keine eigene Familie mehr zu gründen. Doch dann lernte er auf Tinder Esther kennen: „Sie war mein letztes Tinder-Date. Und ist die Liebe meines Lebens.“
Die Beziehung entwickelte sich ungewöhnlich schnell. Bereits wenige Monate später zogen beide zusammen. Esther brachte ihre kleine Tochter Juliana mit, die zu der Zeit gerade einige Monate alt war. Für Lars Pape wurde sie vom ersten Tag an selbstverständlich Teil seines Lebens. Später kam Sohn Charlie zur Welt. „Mein Leben hat sich komplett um 180 Grad gedreht“, erzählt er glücklich.
Heute lebt die Familie in Heiligensee am nordwestlichen Stadtrand Berlins. Das Leben dort entspricht genau dem Bild, das Lars Pape schon lange von Familie hatte: Garten, Natur, Fahrräder, Fußballplatz und ein Alltag fernab des Großstadttrubels. Wenn er über seine Kinder und seine Familie spricht, wird deutlich, wie stark sie seine Prioritäten verändert haben. Er trainiert die Fußballmannschaft seines Sohnes, organisiert Familienausflüge und genießt die Routine des Alltags. Die wilden Nächte in Prenzlauer Berg hatten früher was, aber haben längst ihren Reiz verloren.
Die zweite Karriere bei GZSZ
Als Lars Pape 2019 erstmals bei GZSZ auftauchte, war das zunächst nicht mehr als eine kleine Gastrolle mit zwei Drehtagen. Ein Jahr später folgte ein weiterer kurzer Einsatz. Was er damals nicht wusste: Die Produzenten beobachteten genau, wie er arbeitete. Nach dem zweiten Auftritt erhielt er das Angebot für drei Monate. Und aus drei Monaten wurden fünf Jahre. Heute gehört Michi Bode zu den etablierten Figuren der Serie.
Lars Pape spricht mit großer Wertschätzung über das Format. Während Daily Soaps in Teilen der Branche noch immer belächelt werden, sieht er die enorme Leistung hinter der täglichen Produktion. Tagtäglich entstehen neue Folgen. Drehbücher müssen angepasst, Ausfälle kompensiert und Geschichten weiterentwickelt werden. Wer krank wird, für den wird das Drehbuch auch mal umgeschrieben. Wer einen alternativen Job hat und diesen mit ausreichend Vorlauf ankündigt, kann pausieren. Die Produktion stellt sich flexibel darauf ein und passt die Inhalte und die Kameratechnik an den Bedarf an. „Ein Jahr GZSZ reicht eigentlich für 30 Jahre Schauspielerleben“, so Lars Pape.

Lars Pape spricht mit großer Wertschätzung über das Format. Während Daily Soaps in Teilen der Branche noch immer belächelt werden, sieht er die enorme Leistung hinter der täglichen Produktion. Tagtäglich entstehen neue Folgen. Drehbücher müssen angepasst, Ausfälle kompensiert und Geschichten weiterentwickelt werden. Wer krank wird, für den wird das Drehbuch auch mal umgeschrieben. Wer einen alternativen Job hat und diesen mit ausreichend Vorlauf ankündigt, kann pausieren. Die Produktion stellt sich flexibel darauf ein und passt die Inhalte und die Kameratechnik an den Bedarf an. „Ein Jahr GZSZ reicht eigentlich für 30 Jahre Schauspielerleben“, so Lars Pape.
Er schätzt gerade die Vielfalt der emotionalen Situationen. Trennungen, Hochzeiten, Krisen, Freundschaften und Konflikte – all das wird in hoher Frequenz erzählt. Es gibt kaum ein Thema, dem sich das Filmteam nicht nähert. Für einen Schauspieler bedeutet das ständige Weiterentwicklung. „Da ist immer noch so viel Entwicklungspotenzial, und ich fahre jeden Tag gerne nach Potsdam“, sagt der Schauspieler.
Axel Pape: Bruder, Freund und wichtigster Ratgeber
Eine besondere Rolle in seinem Leben spielt bis heute sein Bruder Axel. Die beiden verbindet weit mehr als der gemeinsame Beruf. Gerade der Tod der Eltern hat die Brüder noch enger zusammengeschweißt: „Wir haben ja nur noch uns.“ Und seine Kinder lieben den Onkel.
Bis heute schauen sie gegenseitig auf ihre Projekte, geben Feedback und beraten sich bei wichtigen Entscheidungen. Wenn Lars Pape von Axel spricht, dann klingt das weniger nach Kollegen als nach Familie im ursprünglichsten Sinn. Die Verbindung zwischen den Brüdern gehört zu den Konstanten seines Lebens.
Was wirklich zählt
Fragt man Lars Pape nach seinen Zukunftsplänen, spricht er erstaunlich wenig über Karriere. Natürlich gibt es noch Rollen, die ihn reizen würden. Zum Beispiel würde er gern mal einen alternden Techno-DJ spielen. Oder einen Hooligan, weil ihn die Abgründe solcher Figuren interessieren. Doch die großen Träume haben sich verschoben.
Priorität hat seine Familie, mit der er gern Zeit verbringt. Erst kürzlich sind sie zu fünft – zwei Erwachsene, zwei Kinder, ein Hund – für einige Tage an die Ostsee gefahren. Spaziergänge am Meer, Fischbrötchen und ein nettes Abendessen, das bedeutet pures Glück für den Vater. Mit Stolz schaut er auf die Entwicklung seiner Kinder, freut sich auf Skitage in den Bergen und darauf, weiterhin Geschichten erzählen zu dürfen.
Die Berge sind hingegen sein absoluter Sehnsuchtsort: „Ich träume davon, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich noch laufen kann und gesund bin, in die Berge zu ziehen. Ich liebe die Berge“, sagt er. „Okay, oder ans Meer“, ergänzt er lachend.
Das Leben hat Lars Pape gelehrt, dass Erfolg kommt und geht. Dass Produktionen abgesagt werden. Dass Firmen scheitern. Dass Menschen verschwinden. Geblieben ist seine Fähigkeit, immer wieder neu anzufangen – eine Qualität, die ihn als Schauspieler ebenso auszeichnet wie als Mensch.


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